Die Geschichte der Katholiken und ihrer Kirche Maria Himmelfahrt

Pappenheim hat eine beachtliche Anzahl von alt ehrwürdigen Kirchen vorzuweisen, die in den verschiedenen historischen Schriften Beachtung finden.Katholische Kirche Maria HimmelfahrtSehr selten wird die noch junge, in diesem Jahr erst 116 Jahre alte Katholische Kirche und die bemerkenswerte Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde in Pappenheim erwähnt.
Das Geschlecht der Marschälle zu Pappenheim war mit der Kirche und dem christlichen Glauben zu jeder Zeit eng verbunden. So kamen aus dem Geschlecht der Pappenheimer eine ansehnliche Zahl von Dom- und Chorherren in Eichstätt und Regensburg.

Zudem sind eine Vielzahl von Stiftungen von Altären und Messen überliefert. So wurde beispielsweise der Pappenheimer Altar, der im Dom zu Eichstätt steht, von einem Pappenheimer Reichserbmarschall nach der Rückkehr von einer Pilgerreise ins Heilige Land gestiftet.
Bemerkenswert ist auch, dass noch zur Zeit der Reformation ein Christoph von Pappenheim 1535 – 1539 Bischof von Eichstätt war.
Nach der Reformation gab es in Pappenheim rund 300 Jahre lang kein katholisch-christliches Leben mehr. Soweit es im Herrschaftsgebiet Pappenheim katholische Christen gab, wurden diese sowohl von der Standesherrschaft als auch von den evangelischen Mitchristen toleriert und geachtet. Zu keiner Zeit gab es in Pappenheim nach der Reformation Gehässigkeiten oder Unterdrückung gegen katholische Christen.
Nach der Reformation dürften sich erste katholische Christen erst nach der Eingliederung der Grafschaft Pappenheim in das Königreich Bayern 1806, in Pappenheimer Raum angesiedelt haben. Die Religionsausübung war in der Nachbargemeinde Treuchtlingen möglich, wo das Pappenheimer Marschallsgeschlecht aus der Treuchtlinger Linie beim katholischen Glauben geblieben war.

Eine vollkommen neue Situation brachte der Bau der Bahnlinie im Bereich Pappenheim. Durch die große Zahl der Bahnarbeiter waren hier plötzlich 600 und in einem Jahr sogar 1200 Katholiken wohnhaft.
Das veranlasste die bischöflichen Behörden, 1867 in Pappenheim einen Seelsorger einzusetzen, der, befristet für die Dauer des Bahnbaues auch von der königlichen Regierung finanziell unterstützt wurde.
Es war, zwar zeitlich befristet, eine Expositur in Pappenheim entstanden. der erste katholische Seelsorger hier war der Kaplan Michael Fiegl, der vom Pfarramt Treuchtlingen kam.
An Weihnachten 1867 fand dann nach rund 300 Jahren auf Burg Pappenheim, im Gebäude rechts neben dem Burgtor wieder ein katholischer Gottesdienst statt.
Die Messen wurden damals immer wieder in verschiedenen Räumlichkeiten gelesen: Zum Beispiel im Saal des  alten Schlosses, im Saal auf der Burg (Eselstall), Ziegelstadel und im Tanzsaal des Gasthauses zur Sonne.
Sehr bald beginnen Anstrengungen, die Expositur zu erhalten. Der Unterhalt des Geistlichen sollte auf Dauer gesichert werden und man suchte sogar nach einem geeigneten Grundstück zum Bau einer Kirche. 1868 wurde schließlich das Grundstück Lachgarten und Lachgartenacker mit Vollmacht und auf den Namen Bischof Franz Leopold von Leonrod gekauft.

Dieses Grundstück wurde 1876 jedoch wieder verkauft weil es hochwassergefährdet und zu weit von der Stadt entfernt war (Wiese vor dem Bahnhof).
Stattdessen wurde am 10.Jan. 1876 das heutige Kirchengrundstück von der Steinbruchfirma Fischer und Kluge erworben. Das Grundstück umfasste Wohnhaus, Remise, Waschhaus, Hofraum, Wurz- und Blumengarten, Kaisergarten, Kaisergartenacker, Kaisergartenwiese.Die Scheune wurde sofort in ein Gotteshaus umgebaut und schon am 28. Mai 1876 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht. Die katholische Gemeinde hatte nun ein eigenes Gotteshaus.

Malereien im AltarraumDer Expositus will sich schon mit dem Bau der Kapelle zufrieden geben, als er im April 1885 vom bischöflichen Ordinariat gedrängt wird, mit aller Vehemenz den Bau einer Kirchen in die Wege zu leiten.
Die feierliche Grundsteinlegung für die katholische Pfarrkirche fand am 29.Juli 1886 statt.
Sie wurde 1886 von dem Regensburger Baumeister Friedrich Niedermeyer geplant.
Die örtliche Bauleitung  hatte der Pappenheimer Baumeister Johann Kipfmüller.

Das Besondere an der Pfarrkirche ist nicht der architektonische Stil, sondern das einmalige Zusammenwirken mit der Ausmalung, wodurch ein bedeutendes Gesamtkunstwerk des deutschen Historismus in Pappenheim entstanden ist, wie es sonst im ländlichen Bereich nicht mehr zu finden ist. Der Maler Lang, dessen Name erst durch eine aufgedeckte Signatur bekannt geworden ist, arbeitete im Stil der Nazarener, der damals im kirchlichen Bereich üblich war. Nazarener Stil bedeutet soviel wie „im mittelalterlichen Sinne“.

Vor über hundert Jahren war man sehr stolz auf das vollendete Werk, das großer

Anstrengung bedurfte. So hebt z. B. die Eichstätter Volkszeitung  am 02. 08. 1888 hervor, dass beim Bau und bei der Ausstattung entgegen den Erwartungen nicht Sparsamkeit vorherrschte, sondern dass man für Gott nur das Beste und Schönste geschaffen habe.

Am 26. 06. 1888 schreibt Expositus Alois Eder an den Generalvikar Dr. Bernhard Schells: „Bis Ende der nächsten Woche wird das Presbyterium (Langhaus) vollendet sein. Was bisher zu sehen ist, findet das Lob aller. Dabei ist Herr Lang so zuvorkommend und bringt in der Apsis noch mehr Figuren an, als ursprünglich beabsichtigt waren“.

Für die religiöse Kunst des ausgehenden 19. JahMalereien über dem rechten Seitenaltarrhunderts hatte man vor einigen Jahrzehnten wenig Sinn und so beschloss man in den 60er Jahren die reichhaltige Bemalung weiß zu übertünchen. Sie wurde einem modernem Empfinden angepasst. Man überstrich die Malereien weiß und in der Apsis wurde ein modernes Gemälde (Zwei Engel mit Fanfaren) angebracht. Auch den Hochaltar zierten zwei Engel im modernen Stil.

Im Vorfeld der 100 Jahrfeier  wurden auf Initiative von Herrn Pfarrer Reichhart frühzeitig Überlegungen angestellt, die Kirche wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Vorsichtig wurde die alte Bemalung wieder freigelegt und die Malereien wurden tatsächlich bis zur 100 Jahrfeier im Jahre 1988 fertiggestellt. Mit den Malereien in der katholischen Kirche haben wir in Pappenheim ein Kunstdenkmal, das in weitem Umkreis seines Gleichen sucht.

© P. Prusakow, Pappenheim