Pappenheim - ein geschichtlicher Abriss -

Der Ort Pappenheim

Die Höhen um  Pappenheim waren schon 400 v. Chr. von den Kelten bevölkert, die ihre Spuren auf dem heutigen Burgberg, dem Weinberg und vor allem auf der alten Bürg, einem Bergrücken, westlich Pappenheim hinterlassen haben. Aus jener Zeit stammt auch der Name des Flusses Altmühl, der Alcmona genannt wurde, was soviel wie der stille, der heilige Fluss bedeutet.

Die Römer, hatten in Weißenburg ihr Kastell. In Pappenheim deuten die bei Osterdorf Richtung Göhren und Bieswang verlaufende Römerstraße und der Steinbrunnen bei Osterdorf auf die Römer hin.

Um das Jahr 500 erobern die Franken den Altmühlraum und ein Edeling mit dem Namen Papo (der in der Schlacht glänzende) erbaut auf einem Felsvorsprung über der Altmühlschleife das Heim der Papo, woraus sich der im Lafe der Jahrhunderte aus den verschiedensten Namensformen der Name Pappenheim entwickelt hat.

Um 700 hatte sich Pappenheim zu einem Besitztum entwickelt, zu dem eine ganze Reihe von umliegenden und auch weiter entfernten Ansiedlungen gehörte. Auf dem Besitztum Pappeheim, das dem Franken Germunt gehört, entsteht ein Königshof. (Heute der Gasthof zum Grünen Baum).

Die Pappenheimer Güter vererbt der FrankeGermunt seiner Tochter Reginsind, deren Ehemann ein Graf aus der heutigen Schweiz ist. So ist es auch erklärlich, dass Frau Reginsind nach dem Tode ihres Mannes die Pappenheimer Besitzungen dem Kloster St. Gallen stiftet. In der Schenkungsurkunde vom 12. November 802 wird Pappenheim erstmals urkundlich erwähnt.

Unter der Herrschaft der Mönche aus St. Gallen entsteht aus einer kleinen Turmkapelle ein Kirchlein, der Ursprung der heutigen Galluskirche. Es beginnt die Besiedelung im Umfeld der Kirche im Bereich der noch heute bestehenden Brunnmühle.

Etwa 100 Jahre nach der Schenkung tauscht der letzte Karolingerkönig Ludwig das Kind die Pappenheimer Güter wieder gegen andere Besitzungen ein. Meginwart, ein Graf aus dem Geschlecht der Lechsgmünder wird nun Herr der Pappenheimer Besitzungen.

Verbindung von Ort und Grafengeschlecht Pappenheim.

Der Ursprung des gräflichen Hauses Pappenheim geht ebenfalls auf die Zeit 400 vor Chr. zurück. In Rom gibt es zu jener Zeit das Geschlecht der Calatini, das wegen seiner „rühmlichen Thaten“ in der Geschichtsschreibung mehrfach Erwähnung findet und auch im Vatikan mit einem Gedenkstein verewigt ist.

Im 11. Jh. ist Heinrich von Calden, ein Nachfahre dieser Calatini Herr von Pappenheim und führt als solcher auch den Namen Pappenheim. Er gilt als Stammvater der Pappenheimer Reichserbmarschälle. Das Amt des Marschalls hat am Hof des Kaisers eine herausragende Bedeutung und so spielten die Pappenheimer Reichserbmarschälle über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte.

Seit dem 11. Jh. also seit über 900 Jahren ist die Geschichte Pappenheims bis in unsere Tage fest mit dem gräflichen Haus Pappenheim verbunden.

So hat Marschall Heinrich VI. im ausgehenden 13. Jahrhundert Waldungen auf der Höhe zwischen dem Altmühltal und dem Schambachtal roden und dort die bemerkenswerten Rodungs- oder Grafendörfer Geislohe, Göhren, Neudorf und Osterdorf, errichten lassen. Auf diesen Marschall geht auch der Mohrenkopf im heutigen Stadtwappen zurück.

 Rudolf von Habsburg verleiht dem Ort Pappenheim im Oktober 1288 das Stadtrecht

Mitte des 14. Jh. ist Kaiser Karl IV. auf Grund damaliger Zeiterscheinungen (Krankheiten, Unruhe im Volk usw.) in großen finanziellen Problemen und nicht in der Lage seinen Marschall zu bezahlen. Als Gegenwert verleiht der Kaiser dem Pappenheimer Marschall Heinrich VIII. das Asylrecht für Pappenheim. Pappenheim wird Freistatt und Jedermann konnte in Pappenheim Schutz finden und bei schwerer Strafe (Abhauen der Hand) ist es verboten den Schutzsuchenden nachzustellen. Für jene die des Lesens nicht mächtig sind, wird ein Hinweisschild mit einer abgehauenen Hand am Freihaus, dem Domizil der Flüchtlinge, angebracht. Natürlich war für diesen Schutz ein Entgelt zu bezahlen, was der Kasse des Marschalls zufloss.

Zur selben Zeit erhält Heinrich VIII auch das Schutzrecht für die Juden, die sich  daraufhin in großer Zahl in Pappenheim ansiedeln und eine Vielzahl von Geschäften gegründet haben. Die Juden prägen Pappenheim was bis in unsere Tage erkennbar ist.

Im 19. Jahrhundert zogen die jüdischen Geschäftsleute wegen besserer Verdienstmöglichkeiten fast vollständig in die größeren Städte Weißenburg und Eichstätt ab.

An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass es zur Zeit der Judenverfolgung in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Pappenheim keine Judenpogrome gab.

Das hohe Ansehen und die wirtschaftliche Sicherheit der Pappenheimer Reichserbmarschälle kennzeichnen auch das Leben der Pappenheimer Bürger. Im späten Mittelalter brachte man es in Pappenheim zu einem bescheidenen Wohlstand. Neben den allgemeinen Handwerkszünften erleben die Hafner, Nadler, Bortenmacher und auch die Bierbrauer eine besondere Blüte. Die Galluskirche wird erweitert und auch die heutige evangelische Stadtkirche wird im Jahre  1478 im spätgotischen Stil errichtet.

1372 entsteht das Augustinerkloster durch eine Stiftung von Marschall Heinrich und seiner Frau Elisabeth von Ellerbach.

1491 wird die Armbrust- und Büchsenbruderschaft gegründet. Diese Gemeinschaft hat sich über nun schon mehr als 500 Jahre zum heutigen Schützenverein entwickelt.

In dieser Zeit entstehen auch die fünf Stadtschlösser der fünf Linien des Pappenheimer Herrschaftshauses.

Die Reformation bringt in Pappenheim den Wechsel zum evangelischen Glauben. Katholische Christen gibt es 300 Jahre lang bis zum Bau der Eisenbahn im 19. Jh. nur noch in der Minderheit (zwischen 15 und 20 Personen).

Eine besondere Persönlichkeit in der Linie des Pappenheimer Marschallgeschlechts ist Feldmarschall Gottfried Heinrich von Pappenheim, der (1594-1632) der im Alter von  20 Jahren wieder zum katholischen Glauben zurückkehrt und im Dreißigjährigen Krieg als bedeutender Feldherr wegen seiner besonderen Treue und Zuverlässigkeit in der Geschichtsschreibung mehrfach Erwähnung findet.

Der spanischer Erbfolgekrieg zu Beginn des 18. Jh. hat auch in Pappenheim seine Auswirkungen. So geht aus der Chronik des Mesners Zuttl hervor, dass die Stadt und das Umland schwer unter den französischen Besatzungssoldaten zu leiden hatte.

Das 19. Jahrhundert bringt in Pappenheim bedeutende Veränderungen 1806 erfolgt, wenn auch widerborstig der Anschluss an das Königreich Bayern. Das Gemeinwesen wurde neu organisiert und 1812 wurde das Rathaus von der Stadt erworben. Viele Geschichten gibt es aus dem 19. Jahrhundert über Pappenheim zu erzählen, Von der militärischen Übernahme der Stadt Pappenheim, dem Bürgermilitär, dem Niedergang der Zünfte, bis zur Gründung einer Vielzahl von Vereinen.

Allerdings erlebt Pappenheim im 19. Jahrhundert auch den Niedergang der traditionellen Handwerkszünfte Die Berufe der Nadler, Weber, Färber und Bortenmacher sterben aus. Auch das traditionsreiche Hafnerhandwerk stirbt mit dem Produktionsende der Ofenfabrik .

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bleibt Pappenheim Zentrum im südlichen Bereich des Bezirksamtes Weißenburg. Die Geschicke der Stadt werden nicht mehr vom gräflichen Haus sondern von Pappenheimer Kaufmannsfamilien gelenkt.

Von den Schrecken des zweiten Weltkrieges bleibt Pappenheim weitgehend verschont. Eine große Zahl Vertriebener vor allem aus dem Sudetenland finden in Pappenheim eine neue Heimat.

Mit der Bezahlbarkeit eines eigenen Autos und zunehmender Bewegungs- und Reiselust verliert Pappenheim die Bedeutung als Zentrum im südlichen Landkreis Weißenburg. Ein finanzieller Rettungsanker ist in den siebziger Jahren die Firma Dynamit Nobel, die hier einen Fertigungsbetrieb errichtet, der zwischenzeitliche eine gewaltige Ausdehnung erfahren hat.

In dieser Zeit erfolgt auch der Anschluss von 8 Gemeinden im Rahmen der Gebietsreform an die Stadt Pappenheim. Bis heute ist spürbar, dass es in keinem Fall eine „Liebesheirat“ gewesen ist.

Die Bausubstanz der stadtgeschichtlich wertvollen Bürgerhäuser, der Kirchen und der sonstigen Sehenswürdigkeiten sind in ihrer ursprünglichen Art erhalten. Viele Gäste unserer Stadt fühlen sich alljährliche als Urlauber und Tagestouristen in Pappenheim und seinen Ortsteilen wohl. Selbst Fachleute sind erstaunt, was Pappenheim an historischer Substanz alles zu bieten hat.


© P. Prusakow, Pappenheim